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Bin ich eine schlechte Mutter?

Posted in Annas Welt

Das frage ich mich so einmal am Tag. Gerne auch mehrmals.

Denn ich habe einen quasi nicht mehr existenten Geduldsfaden, der Speiseplan meiner Kinder ist nicht annähernd so ausgewogen und gesund wie ich es mir wünschen würde und ich werde ihnen gegenüber, viel zu schnell laut…

Aber warum?

Warum bin ich nicht die Traumversion von ‚Mama‘, die ich mal werden wollte?

Stets liebevoll mit meinen Kindern sprechend, nicht die Stimme erhebend, Speise-Wochenpläne konzipierend UND umsetzend, in Bio Qualität – mit regionalem, saisonalen Gemüse, selbst gebackene Kekse aus Vollkornmehl kredenzend, liebend gerne Bauklötze übereinander stapelnd oder Fantasie-Feen spielend…

Warum kriege ich das nicht auf die Kette? Äh…

Ich hab‘ keinen Bock!

Es ist mir tatsächlich, sehr häufig, einfach viel zu anstrengend!

Ich bin chronisch übermüdet, esse zu ungesund, trinke zu wenig Wasser – dafür umso mehr Kaffee – und gehe (liebend gerne!) 25 h die Woche arbeiten. Da ist mein Akku häufiger auf 10% und nicht im optimalen Bereich von 80 – 100%.

An dieser Stelle sei allen allein erziehenden Müttern und Vätern gesagt:

Ich ziehe meinen Hut und habe nichts als puren, grenzenlosen Respekt vor euch! Das finanzielle, organisatorische UND emotionale Chaos, welches oft mit kleinen (und natürlich auch großen) Kindern daheim so herrscht alleine zu stemmen…

Keine Ahnung, wie ihr das schafft!

Immer ist irgendwas.

Entweder hat der kleine Bruder so beschissen geschlafen (und ich dann gleich mit), dass mein physischer Zustand am Folgetag lediglich mit ‚ich bin wach‘ bezeichnet werden kann – ohne erkennbare Hirnaktivität.

Oder, eines der Kinder hat ins Bett gekotzt und/oder rein gepiselt und ich muss erstmal alles neu beziehen. Oder ich habe (nicht ins Bett) gekotzt (und schon mal gar nicht rein gepieselt!).

Oder, der kleine Bruder hat mit einem Filzstift ein großes ‚Bild‘ auf den Kissenbezug des Esszimmerstuhls gemalt, oder die Eule hat den Kinderzimmer-Teppich mit Glitzerkleber in ein Feen-Zauberland verwandelt, oder beide zusammen halten es für eine super Idee, nachts um 03.00 Uhr mal auf zu stehen und nach dem rechten zu sehen…

Oder, mir steht mein eigener Perfektionismus im Weg.

Der setzt mich teilweise so unter Druck, dass ich gar nichts mehr auf die Reihe bekomme. Was habe ich schon Essenspläne geschrieben, versucht vorzukochen und einzufrieren (Ich. Hasse. Essen. Einfrieren!).

Mir fest vorgenommen einfach mal (ganz verrückt!), die Dinge gleich an ihren vorgesehenen Platz, und nicht erst auf die Kommode zu legen… Und, ich gehe immer viel zu spät ins Bett.

Aber, dass sind MEINE heiligen Stunden!

Die 2-3 Stunden am Abend (die häufig noch von unerwartetem Kinder-Gedöns unterbrochen werden), in denen ich gucken, reden und essen kann was ich will! Ohne ein Vorbild zu sein. Ganz entspannt eine ganze Tüte Erdnussflips in mich rein tun, Greys Anatomy schauen, mit dem besten Freund von allen über Dinge sprechen, die nicht für Kinderohren bestimmt sind…

Stunden in denen ich einfach mal nicht dafür sorgen muss, dass zwei kleine Menschen am Leben bleiben.

Googelt mal ’schlechte Mutter’…

Dazu gibt es tausende von Einträgen. Hauptsächlich aus irgendwelchen (schrecklichen) ‚Elternforen‘, in denen Frauen genau dies von sich selbst behaupten: ‚Ich bin eine schlechte Mutter!‘.

Ich persönlich habe noch NIE von einer Frau gedacht, sie sei eine schlechte Mutter. NIE! Geschweige denn, dass ihre Kinder oder Partner das denken würden. Warum glauben wir überhaupt sowas von uns selbst?

Ist es die Antwort auf die endlose Informationsflut?

Wären wir nicht wesentlich glücklicher, mit nur einem Bruchteil von dem, was wir über ‚Kindererziehung‘ gelesen und gehört haben? Von ‚Jesper Juul‚ über Herbert Renz-Polster bis hin zu ‚Jedes Kind kann schlafen lernen’…

Kaum etwas wird so kontrovers diskutiert, wie ‚Kindererziehung‘. Zu keinem anderen Thema hat JEDER ein Meinung, hat JEDER etwas zu sagen, weiß es JEDER irgendwie besser.

In irgendjemandes Auffassung wirst du es als Mutter, auf jeden Fall ‚falsch‘ machen.

Wer ist denn jetzt diese ’schlechte Mutter‘?

Die die stillt oder die, die Flasche gibt? Die, die kurz nach der Geburt zurück in den Beruf will oder die, die 3 Jahre lang zu Hause bleibt? Die, die ihre Kinder mitbestimmen lässt oder die, die ihre Kinder autoritär erzieht? Die, die ihre eigenen Bedürfnisse auslebt, oder die, die alles auf ihren Nachwuchs ausrichtet?

Gibt es eine Jury, die das entscheidet?
Eine Gruppe von ‚guten Müttern‘, die einen Richtlinien-Katalog erstellt haben?

Ne, die gibt es eben nicht.

Was ich als wichtige Werte-Vermittlung empfinde, ist für andere belanglos. Was mich zu Tode nervt, registrieren andere gar nicht. Was ich mal durchgehen lasse, ist für andere absolut Tabu. Und umgekehrt.

Der Gedanke: ‚Ich bin eine schlechte Mutter‘, kommt aus einem selbst heraus. Er ist das Resultat einer Wunschvorstellung, die nicht erfüllt wird.

Und über diese Nicht-Erfüllung bin ich zumindest, häufiger enttäuscht.

Als meine Mama-Wunschversion entstand,

war ich auch nicht so unendlich müde.

Wusste nichts von den Phasen, in denen es zweistündige Podiumsdiskussion mit einer fünfjährigen braucht, um einfach mal vor die Tür zu kommen. Diese nach dreieinhalb Minuten ganz dringend Pipi muss (weil sie vorher NICHT aufs Klo wollte), einen theatralischen Anfall bekommt, weil sie sich JETZT SOFORT in die Hose macht, ich sie mitten in der Stadt aus den Winterklamotten heraus pelle, über die nächste kleine Grünfläche halte und dann den Satz höre: ‚Ah ne, hat sich nur so angefühlt.‘

Wusste nicht, dass ein einjähriger Junge IMMER hunger hat, auch dann, wenn er gerade gegessen hat.  Auch nachts um 03.00 Uhr und um 06:00 Uhr und um 07:30 Uhr und um 08:00 Uhr…

Und ich wusste nicht was es bedeutet

zwei Kinder zu haben, die nur einen Sprechmodus kennen, nämlich das absolute Gegenteil von Zimmerlautstärke, was als ‚Mitten auf einer stark befahrenen Autobahn stehen und sehr große Schallschutz-Kopfhörer tragen‘-Lautstärke, bezeichnet werden sollte.

Die Vorstellung von ‚DER Mama‘ die ich mal sein will, war auch nichts was ich tatsächlich im Kopf formuliert hatte. Oder doch? Wenn es so war, hätte ich die oben genannten Faktoren mit einberechnen sowie zwei, drei Puffer einbauen sollen…

‚Du bist die beste Mama der Welt‘

Sagte die Eule neulich zu mir.

‚Nein, Eule. Bin ich einfach nicht.‘
‚DOCH!!!‘
‚Nä. Schau mal ‚Meine Freundin Conni’s Mama an! Die macht immer alles richtig. Ist geduldig, kocht & backt alles frisch und hat immer so coole Bastelideen… Das ist doch eine viel bessere Mama!‘ (Unnötig zu erwähnen, dass mich Connies Mama tierisch nervt…).
‚NEIN!!!! Du bist die beste Mama der Welt!‘

Da lacht und weint mein Mutterherz, gleichzeitig.

Und wenn ich noch so oft denke, ich sei die schlechteste Mutter der Welt. Meine Kinder finden mich toll! Und der beste Freund von allen, tatsächlich auch.

Wenn ich also das nächste Mal im Bett liege und heulen könnte weil diese ‚Mama Wunschversion‘ von mir kaum bis gar nichts mit der Realität zu tun hat, denke ich das nächste Mal einfach daran, dass ich für meine Kinder immer die beste Mama der Welt bin.

Und das bist Du, für Dein*e Kind*er auch!

In diesem Sinne: Rockt On!

2 Comments

  1. Magdalena
    Magdalena

    Schöne, treffende Worte. Danke dafür. 😊

    10. Februar 2019
    |Reply
    • AnnaRockt
      AnnaRockt

      Danke liebe Magdalena ☺️🙏🏻.

      11. Februar 2019
      |Reply

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