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Wunschgeburt…? Natürlich nach Kaiserschnitt.

Der kleine Bruder ist da!

Und mein großer Wunsch ihn natürlich  zur Welt zu bringen, nachdem die Eule damals per Kaiserschnitt geholt werden musste, ist wahr geworden!

Die Gänge der Wochenbettstation lief ich mit dem Soundtrack zu Rocky in den Ohren und den Fäusten in der Luft entlang…  im Geiste. In Echt war es mehr ein watscheln, als hätte ich mir in die Hose gekackt. Die Hebamme sagte mir auf dem Weg zur Wochenbettstation: ‚Anna. Das hast Du wirklich großartig gemacht!‘ Und auch wenn ich weiß, dass das alle Hebammen ihren Frauen nach der Geburt sagen, war ich noch etwas stolzer, als ohnehin schon!

Aber der Reihe nach!

Am Sonntag,

waren wir mit Freunden unterwegs. Die Eule konnte sich mit anderen Kindern auf dem großen Spielplatz austoben, während ich zwei ungemein köstliche, alkoholfreie Biere in mich reinkippte. Parallel dazu kuschelte ich intensiv mit dem 6 Wochen alten Sohn unserer Freunde und dachte mir, es könnte den kleinen Bruder zum kommen animieren… tat es auch!

Nachmittags hatte ich einen Moment lang einen im unteren Rücken beginnenden ‚Schmerz‘, der nach vorne zog und mit einem pulsieren in den Beckenknochen endete. Da dachte ich mir schon: ‚Ja, er macht sich auf den Weg!‘. Da ich bei der Eule keinerlei Wehen, weder vor noch zur Geburt hatte, wusste ich gar nicht, wie sich diese überhaupt anfühlen.

Am Montag,

hatte ich den ganzen Tag über ‚Regelschmerzen‘. Nicht wirklich schlimm, aber spürbar und ich war mir endgültig sicher, dass er im Laufe der nächsten Tagen käme. Diese ‚Regelschmerzen‘ hatte ich auch damals ca. 3 Stunden nach Blasensprung mit der Eule. Jetzt weiß ich, dass es beginnende Wehen waren.

Seit Wochen war ich im ‚Nestbau‘-Modus und hatte bereits, inspiriert durch Marie Kondos Buch ‚Magic Cleaning‚, groß ausgemistet! Baby/Kinderklamotten hervor geholt, teilweise verschenkt und gespendet, Bücher aussortiert und den Keller um/ausgeräumt. Ein ungemein befreiendes Gefühl!

Den Montag hindurch legte ich also noch die letzten Dinge auf ihren vorbestimmten Platz, brachte den Papiermüll runter, legte die Wäsche zusammen und machte ein Mittagsschläfchen.

Nachmittags,

nachdem ich die Eule vom Kindergarten abgeholt hatte und wir zusammen noch 2-3 Lebensmittel einkaufen waren, trafen wir unsere Nachbarn im Flur:

‚Hach! Wir dachten das Baby sei vielleicht schon da?!‘
‚Ja, ich auch… aber jetzt wird es ganz sicher nicht mehr lange dauern!‘
‚Sollten wir sie irgendwie unterstützen können, egal wie, sagen sie einfach Bescheid!‘
‚Das ist wirklich lieb, Vielen Dank! Das mache ich‘.

Tja, und dass dann schneller als gedacht…

Später am Abend,

so gegen 18:00 Uhr, wurden meine ‚Regelschmerzen‘ stärker. Ich sagte meiner Beleghebamme Bescheid und fragte, ob ich die Eule besser jetzt schon zu ihrer Übernachtungs-Freundin bringen solle.

H: ‚Nein, keine Panik. Du bist im Prinzip Erstgebärende (auf Grund des Kaiserschnitts mit der Eule). Das kann sich noch hinziehen. Bis Ende der Woche ist er sicherlich da. Wir warten ab.‘

Als ich die Eule gegen 19:30 Uhr ins Bett brachte,

las ich ihr von dem kleinen Jungen vor, der ein Geschwisterchen bekommt: ‚Busiga Bebban‚. Nach dem ersten Mal rief sie begeistert: ‚Nochmal!‘. Beim 2. Mal schaute sie mich nach einer Weile, etwas misstrauisch an.

‚Die Alde will mir doch was sagen?!‘, dachte sie sich augenscheinlich. Unterbrach mich nach der Hälfte und sagte: ‚Nein! Nicht das lesen. Was anderes! Und ich will eine kleine Schwester!‘

Bravo! Da hatte ich etwas angestellt.

A: ‚Sorry Eule, aber das Geschlecht können wir jetzt nicht mehr ändern (irgendwie auch davor schon nicht…) und es ist jetzt eh zu spät. Ich bin müde und Du musst jetzt schlafen.‘
E: ‚Ich bin aber gar nicht müde!‘.
A: ‚Dann musst Du hier liegen bist Du müde bist. Noch ein Buch. Dann gehe ich ins Wohnzimmer und lege mich auf die Couch.‘.

Um 21:00 Uhr,

schlief die Eule bereits seit einer Stunde und der beste Freund von allen kam nach Hause.
A: ‚Ich glaube ich habe Wehen.‘
F: ‚Ok. Was machen wir?‘
A: ‚Warten.‘
F: ‚Ok.‘

Um 22:00 Uhr,

schnitt ich noch Infos der diversen Einsatzgebieten von Schüssler-Salzen aus – bin da aktuell total auf dem Trip – und klebte sie in eines meiner Notizbücher. Wer mich persönlich kennt weiß, meine Autobiographie bekäme den Titel: ‚Nicht ohne meine Notizbücher – oder meine Stifte!‘.

Der beste Freund von allen kam rein und meinte, wir können die Eule ja jetzt noch zu ihrer Freundin bringen. ‚Nein. Jetzt bloß nicht alle kirre machen! Müssten dann die Eule und ihre Freundin wecken, die schlafen dann nicht mehr ein, ihre Eltern haben High Life heute Nacht… und am End kommt das Baby erst morgen irgendwann!

Wir bringen die Eule morgen früh in den Kindergarten und bitten die Übernachtungs-Mama, die Eule vom Kiga abzuholen. Außerdem hatte ich auch schon länger keine ‚Wehe‘ mehr gehabt. Scheint abzuebben. Das geht schon.‘

Dann brachte ich den Bio-Müll runter.

Der beste Freund von allen, schaute mich in einer Mischung aus Unverständnis und Entsetzen an:
F: ‚Anna. Du bringst jetzt bitte NICHT den Müll runter!‘
A: ‚DOCH! Denn den Bio Müll vergisst Du immer, und wenn der dann hier länger steht dann stinkt es nach Kotze und das hasse ich und…!‘

Hmm. Da war mir dann klar, DASS es sehr wohl heute los geht. Frauen die ‚ins gebären‘ kommen, machen oft merkwürdige Sachen. Kurz vor Entbindung Fenster putzen oder bügeln zum Beispiel. Diese Tätigkeiten sind bei mir allerdings, generell, ausgeschlossen.

Um 23:15 Uhr,

machte ich ein paar meiner IKEA-Fake-Kerzen an – falls ich einschliefe wollte ich nicht vom Rauchmelder geweckt werden – und mein ‚Yoga-Chill-Öl‘ in die Duftlampe.

Hasse sowas ja sonst. Aber dieses riecht frisch und nicht so esotherisch. Hatte es die Schwangerschaft hindurch immer dann angemacht, wenn ich in den Entspannungs-Modus kommen wollte. Quasi als ‚Enstpannungs-Teaser‘.

Im Bett fingen die Wehen an stärker und regelmäßiger zu werden. Im Bett liegen wollte ich nach 30 Minuten nicht mehr und rief meine Hebamme wieder an. A: ‚Das sind jetzt ganz sicher Wehen!‘ H: ‚Ok. Beobachte wie es sich die kommenden 2 Stunden entwickelt. Wenn Du bei regelmäßigen 5 Minuten Abständen bist, rufst Du mich wieder an.‘

Ich ging ins Wohnzimmer,

und legte mich auf die Couch. Mir war nicht, wie ich es oft von anderen gehört habe, nach rumlaufen zumute. Machte im TV sowas wie ‚Züge bei Nacht‘ an und schaute bei jeder Wehe, auf die Uhr. Der beste Freund von allen fragte, ob er was machen solle.

Wenn möglich: Schlaf! Unnötig zu erwähnen, dass er das natürlich nicht konnte.

Ich nickte zwischen den Wehen, immer wieder mal kurz ein. Von 00:30 bis 01:50 Uhr kamen sie also in folgenden Abständen: 4-3-5-3-5-3-6-2-2-6-2-5-6-2-5-5-4-3-3-6 Minuten. Jedes Mal atmetet ich dabei ganz tief und bewusst in den Bauch ein und aus. Ohne tönen oder Technik, bis die Wehe rum war.

Um 01:50 Uhr,

wachte die Eule auf. Und von Papa wollte sie sich genau Null beruhigen lassen. Ich ging zu ihr und versuchte sie wieder zum schlafen zu bewegen… nach 45 Sekunden gab ich es aber auf. Ich muss aufs Klo. JETZT!

Genau wie bei der Eule damals, machte mein Körper seinen hauseigenen Einlauf und ich musste ordentlich kacken. Dann kam eine weitere Wehe, ich spürte ungemeinen Druck, presste, wurde kurz laut und BAAAM! Blasensprung…

Joa. Es geht heute los.

Mein Kreislauf ging ziemlich in den Keller und ich rief nach dem Vatertier. Mit der Deutlichkeit eines Besoffenen morgens um 04:30 Uhr, muss man wohl besser sagen, ich VERSUCHTE ihn zu rufen….

‚Abian…! Abiaaaan! Aaaabiaaaan!‘ – vielleicht kommt der eine oder andere drauf, wie er tatsächlich heißt. Beim 3. Mal sagte die Eule, die mittlerweile ganz vom Papa geweckt worden war, fröhlich:

‚Mama ruft Dich!‘.

F: ‚Wuah! WAS?!!‘
A: ‚Die Fruchtblase ist geplatzt, Du musst die Hebamme anrufen‘ (immernoch im Alki-Modus, etwas schwächlich, hablbnackt auf dem Klo sitzend).
F: ‚Ok.‘
Er ist kein Mann der großen Worte…

Die Hebamme war ziemlich unbeeindruckt und wollte sofort mit mir sprechen.
H: ‚Anna, erzähl.‘
A: ‚Die Blase ist gesprungen und mein Kreislauf ist ziemlich im Arsch‘

H: ‚Welche Farbe hat das Fruchtwasser?‘

A: ‚Äh. Keine Ahnung! Kacken, Fruchtwasser… kam alles gleichzeitig‘
H: ‚Kannst Du noch was essen und trinken?‘
A: ‚Trinken ja. Essen nein.‘

H: ‚Ok. Habt ihr die Kleine schon verräumt‘
A: ‚Nein. Noch nicht.‘
H: ‚Dann macht das jetzt Mal… Jetzt nimmst Du das Buscopan-Zäpfchen (hatte sie mir einige Wochen vorher mitgegeben) und gehst in die Wanne. Ruf mich an wenn Du drin liegst und sag wie es Dir dann geht.‘
A: ‚Ok‘.

Während ich versuchte vom Klo runter zu kommen,

versuchte das Vatertier die Übernachtungs-Eltern zu erreichen. Da ich der Mama im Laufe des abends geschrieben hatte, dass es eh erst am kommenden Morgen richtig los gehen wird (weiß ich ja schon seit der Eule, dass eine Geburt stets läuft wie geplant…), ging sie nicht dran.

F. ‚Die geht nicht dran.‘
A: ‚Dann ruf die andere Freundin an.‘
F: ‚Handy aus. Hast Du eine Festnetznummer?‘
A: ‚Nein… Du musst bei den Nachbarn klingeln. Haben jetzt keine andere Wahl.‘

Mit in den Kreißsaal nehmen, wollte ich die Eule ganz sicher nicht.

Exkurs: Die Eule ist gefühlt 1 Jahr älter geworden.

Schon in den Wochen bevor der kleine Bruder kam. Keine Windel mehr. Alleine im Zimmer schlafen und sogar alleine EINschlafen (Beitrag zum schlafen kommt!). Mit selbst Licht ausmachen!

Als der beste Freund von allen also bei den Nachbarn klingelte, ihnen kurz die Situation schilderte und dann der Eule mitteilte, sie müsse heute Nacht hier schlafen, schaute sie ihren Papa an und sagte voller Überzeugung: ‚Papa. Ich kann das!‘ Nahm ihre Schlafsachen, ging rüber und winkte zum Abschied…

Mein erstes Baby ist kein Baby mehr!

Und mir steigen jedes Mal die Tränen in die Augen wenn ich daran denke, weil ich so unendlich stolz auf sie bin.

Ob sie wirklich die ganze Nacht geschlafen hat, weiß ich nicht. Aber am nächsten morgen um 07:00 Uhr stand sie bei den Nachbarn in der Schlafzimmertür und schien sich zu denken: ‚Und? Was machen wir jetzt?‘. Nachdem alle aufgestanden waren, aßen sie gemeinsam Nutella Brote zum Frühstück und plauderten.

Sie hatte auf jeden Fall ‚the time of her life‘!

Um 02:15 Uhr,

lag ich also in der Wanne und die Wehen kamen gefühlt jede Minute. Ich war mir ziemlich sicher, der kleine Bruder würde hier in der Wanne zur Welt kommen. Wäre Eules Geburt kein Kaiserschnitt gewesen, hätte ich es drauf ankommen lassen.

Die Wehen waren heftig und ich musste jetzt auch Geräusche machen. Kein schreien, mehr ein sehr lautes brummen. Außerdem presste ich schon jedes Mal mit. Hächel-und Atemtechniken… keinen einzigen Gedanken hatte ich daran.

Gegen 02.30 Uhr,

rief die Hebamme an und bat um Lagebericht.
H: ‚Ok. Wie lange braucht ihr in die Klinik?‘.
A: ‚Keine 10 Minuten.‘
H: ‚Dann mache ich mich jetzt fertig und fahre los. Du kommst in Deinem Tempo aus der Wanne und um 03:15 Uhr treffen wir uns dort!‘
A: ‚Okkkkkeeeeeeeeee‘. Neue Wehe. Ich legte auf.

Nach fünf weiteren Minuten in der Wanne, mit zwei weiteren Wehen, half mit der beste Freund von allen raus. Auf dem Badezimmer-Teppich stehend hatte ich eine weitere Wehe, bei der ich, wie gehabt, presste, und ein paar Tropfen Blut tropften auf den Badvorleger.

‚Warum kommt da denn jetzt Blut?‘

hörte ich ihn fragen. Ich überlegte kurz über eine biologisch, korrekte Antwort nach, war positiv überrascht dass er nicht in Ohnmacht gefallen war und sagte: ‚Keine Ahnung!‘

Exkurs: Wenn ich zu oft Blut in einem Satz sage,

wird er normalerweise kreideweiß im Gesicht. Als ich damals mit der Eule schwanger war, saßen wir in der Klinik beim ‚Info-Abend‘ und der Chefarzt erläutere, dass sie eine sehr geringe Kaiserschnitt- und Dammschnittrate haben.

Als ich zum Vatertier rüber schaute sah er aus, als würde er die Farbe der Wände um uns herum annehmen wollen…. Als ich dann noch ein paar Mal ‚Blut. Blut. Bluuuuuut!‘ sagte, wurde er ziemlich grantig und sagte: ‚Hör auf jetzt!!‘. ‚Na, da haben wir aber alle Spaß bei der Geburt‘.

Als ich ihm dann noch eröffnete, ich wolle eine Wassergeburt, hat er innerlich gekündigt…

‚Anna, was willst Du anziehen?‘.
‚Tja, mein Geburt-Outfit habe ich leider schon vor der Wanne vollgeschwitzt. Langes Top und Jogging müssen jetzt reichen.‘

Jede Minute kam eine Wehe.

Ich kam kaum vom Schlafzimmer in den Flur. Dort lehnte ich mich auf die Kommode und sagte dem Freund, er solle sofort die Hebamme anrufen und fragen, ob das wirklich normal ist! ‚Ja. Ist es. Wir sollen einfach in die Klinik kommen.‘

Von der Wohnung zum Auto kamen drei Wehen, im Auto nochmal vier und vom Auto in den Kreißsaal nochmal drei. Der beste Freund von allen sagte schon: ‚Auf Anna. Sind doch gleich da.‘

Pfffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff!

‚WENN DU DAS NÄCHSTE KIND KRIEGST KANNST DU JA MIT DEINEN WEHEN WARTEN BIS WIR DA SIND!!‘ Dachte ich. Sprechen war mir zu anstrengend.

Um 03:15 Uhr,

waren wir also in der Klinik. Und nachdem ich eine weitere Wehe am Empfangstresen veratmete, leitete meine Hebamme mich in unser Zimmer. ‚Keine Wanne‘, war mein erster Gedanke. Sagen tat ich aber nichts, was sich in den folgenden Stunden wiederholen würde und wurde zum Bett geführt.

H: ‚Magst Du so einen Krankenhauskittel anziehen?‘
A: ‚Wenn ich nicht muss, dann nicht.‘
H: ‚Nein. Musst Du nicht. Willst Du was gegen die Schmerzen?‘
A: ‚NEIN!‘.

Exkurs: In meiner intensiven Recherche,

welche Faktoren eine Geburt in einem Kaiserschnitt enden lassen können, wird u.a. die PDA erwähnt. Und ich verstand auch nicht recht, warum sie mir dies direkt anbot. Bin ich ja nun nicht schreiend mit ‚GIIIIIIBT MIIIIR DROOOOGEN!!!‘ auf den Lippen reingestürmt.

Wehen sind, so empfand ich es, keine Schmerzen im klassischen Sinne. Es ist nicht pochend wie schlimme Kopfschmerzen. Für mich war es wie eine richtig schlimme Magen-Darm-Grippe, aber nicht weil mir schlecht war. Die Wehen sind wie ein Kolikanfall, kurz bevor man aufs Klo muss. Und zwischen den Wehen, ist gar kein ‚Schmerz‘ da.

H: ‚Okee…‘ war die etwas verdutzte Antwort der Hebamme.
A: ‚Was willst Du mir denn geben?!‘ dachte ich immer noch, dass einzige Mittel sei eine PDA.
H: ‚Meptit als Tropf. Das ist, inklusive Lachgas, das einzige was wir Geburtshelfer geben dürfen. Dein Muttermund ist noch etwas wulstig und das macht ihn schön weich.‘
A: ‚Aja, mach halt!‘

Den Muttermund weicher machen, könnte sicherlich nicht schaden.

H: ‚Und Du musst aufhören zu pressen Anna! Dein Muttermund ist 5-6 cm offen. Das dauert noch ein bisschen‘
A: ‚Wie soll ich denn NICHT pressen?!!
H: ‚Du musst so atmen‘ und machte es vor.
Ist wie aus der Brust, statt aus dem Bauch, heraus und ganz kurze Atemzüge, den Mund zum O geformt.

Wenn man versucht, einen so intensiven Druck, wie den einer Wehe zu veratmen, klingt man in etwa wie ein Pavian zur Paarungszeit. Oder auch wie eine völligst entnervte Kuh… Gut nur, dass der beste Freund von allen und ich uns schon ein paar Jahre kennen… sexy ist anders!

H: ‚Ich fahre Deine Wehen jetzt mal ein bisschen runter, damit ihr beiden etwas Kraft tanken könnt.‘

Exkurs: Auch dies hätte ich eigentlich,

auf Grund meiner Recherchen, nicht gewollt. Jeder Eingriff in die Geburt kann den positiven Verlauf stören. ‚Wehen hemmen‘, zum Beispiel einen Geburts-Stop verursachen und sie schlussendlich in einem Kaiserschnitt enden lassen.

Da ich diese Details mit meiner Hebamme vorab nicht besprochen hatte, mich auf die Geburt einlassen und die Verantwortung abgeben wollte, lies ich sie einfach machen.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich es eh nicht so wirklich mitbekam.

Meine Wehen kamen weiterhin regelmäßig,

aber nicht mehr in diesen ganz kurzen Abständen. Ich lag bis zu letzt auf der Seite, dem besten Freund von allen zugewandt, er hielt meine Hand, tupfte mir regelmäßig den Schweiß von der Stirn, während ich meine Augen die ganze Zeit über geschlossen hielt.

Meine Sinne hatte ich beisammen, mir war weder schlecht noch schwindelig (was einigen Frauen bei Gabe eines Meptit-Tropfes passieren kann) und Babys Herztöne waren konstant gut. Der kleine Bruder bewegte sich auch jetzt noch, wie schon die gesamte Schwangerschaft hindurch, sehr viel. Kurz dachte ich, er läuft einfach raus…

‚Ich muss kacken!‘

Sagte ich nach einer Weile. Und auch wenn ich das Gefühl bei praktisch jeder Wehe hatte, musste ich es diesmal auch tatsächlich. Hach. Fein. Da denkst Du, Du hast schon alles gemacht und so viel gesehen…

Und dann kackst Du deiner Hebamme vor die Füße.

Immer wieder legte sie mir ultra heiße Kompressen auf Mummu und Damm. Beim 4./5. Mal sagte ich: ‚Boah ey! Müssen die so heiß sein?!‘ H:’Naja. Wenn Du keine Lust auf einen Dammriss hast…‘. A: ‚Joah… nicht so.‘ H: ‚Dann machen wir das mal weiter.‘

Gegen 04:20 Uhr,

sollte ich mich von der Seite auf den Rücken legen. ‚Bei der nächsten Wehe kannst Du schon anfangen zu pressen Anna. Oberschenkel fest halten, Oberkörper nach vorne lehnen. Bei der nächsten Wehe hälst Du die Luft an und presst so fest Du kannst!‘

Die nächste Wehe kam und ich presste so fest ich konnte. Da ich aber so viel Kraft allein darin legen musste, meine Beine selbst festzuhalten, hatte ich nicht ausreichend Kraft um zu pressen. Wir versuchten es bei der nächsten Wehe ein weiteres Mal und die Hebamme sagte: ‚Anna. Du musst mehr pressen!‘ A: ‚Ich kann nicht!!‘.

Dass ich gerne meine Füßen abgestützt hätte,

statt meine Beine selbst fest zu halten, sagte ich nicht. Keine Ahnung warum.

H: ‚Wir versuchen es Mal auf der Seite.‘
Da ich auch dabei mein Bein fest halten sollte, bleib das Ergebnis das selbe. Ich hatte nicht genügend Kraft zum pressen.
H: ‚Soll ich die Ärztin holen, damit sie von oben mitdrückt?‘
A: ‚Ja. Mach!‘

Habe mich seitdem schon oft gefragt,

warum ich nichts sagte. Wäre ich gefragt worden, in welcher Stellung mir das pressen leichter fallen würde, hätte ich gesagt, dass ich gerne die Füße abgestützt hätte. Die Verantwortung hatte ich irgendwie einfach abgegeben. War mit meinen Gedanken bei mir selbst.

Und wenn Du mal so in einer Geburt drin bist, sagst Du auch irgendwie nichts mehr. Zumindest, tat ich das nicht.

Bei der nächsten Wehe drückte die Ärztin von oben, auf meinem Bauch mit. Es war überhaupt nicht so schlimm, wie ich es schon von anderen Frauen gehört hatte. Aber Baby kam immer noch nicht.

‚Ich kann besser mitdrücken, wenn wir ihre Beine in die Schalen legen‘, sagte die Ärztin. Was dann auch gemacht wurde. Bei der nächsten Wehe presste ich, die Ärztin drückte von oben mit und dann…

War sein Kopf da!

Und mit ihm, ein brennender Schmerz. Der erste wirkliche ‚Schmerz‘, welchen ich an diesem Tag empfand. ‚Kannst Du ihn nicht einfach raus ziehen?!‘ sagte ich. Die Hebamme warf meine Hand auf seinen Kopf.

A: ‚Ohhhhh!‘ Ein wirklich unfassbares Gefühl!
H: ‚Nein, ich kann ihn nicht einfach raus ziehen. Wir müssen die nächste Wehe abwarten. Dann ist er da.‘
Die Ärztin drückte auch bei der kommenden Wehe von oben mit, was sie wegen mir auch hätte lassen können. Und dann war er da!

Um 04:44 Uhr,

an einem Dienstag Morgen im Mai, kam der kleine Bruder mit 53 cm, 3640 g und 37 cm Kopfumfang zur Welt.

Der beste Freund von allen schnitt die Nabelschnur durch – worauf er nie sonderlich gepicht war. Ich musste etwas lachen als ich seinen Gesichtsausdruck dabei sah. Ein klein wenig angewidert und ein klein wenig stolz, dass er sich traut.

Dieser kleine Mensch wurde mir überreicht

und ich sagte: ‚Huch. Dachte Du würdest ganz anders aussehen.‘ Erst ein paar Stunden später bekam er sein ‚eigentliches‘ Aussehen und ist seiner Schwester so wahnsinnig ähnlich!! Ein natürlich entbundenes Baby ist dann doch etwas zerknautschter, als ein Kaiserschnitt-Baby.

Und wir waren überglücklich! Ohne tränenüberströmte Gesichter, ohne Liebesschwüre oder tiefe Blicke. Es war einfach ein schöner Moment. Pur und ohne Chichi.

‚Ich musste dich ein wenig schneiden, Anna.‘

Ah. Wieder back to reality.

H: ‚Sonst wäre er nicht um die Ecke gekommen. Hast Du das gemerkt?‘
A: ‚Nein. Ehrlich gesagt nicht‘. Die Ärztin drückte weiter auf meinem Bauch herum, so dass mein restliches Fruchtwasser immer wieder raus schwappte. Die Hebamme fand das nicht so prickelnd und sagte: ‚Jetzt hör doch mal auf damit.‘

Dann kam die Nachgeburt. Nachdem ich den kleinen Bruder wieder der Hebamme übergeben hatte, der bestes Freund von allen dabei zusah, wie sie ihn wog und maß,

präsentierte ich mit gespreizten Beinen der Außenwelt meine Vagina,

und die Ärztin begann damit mich zu nähen. Wir plauderten so über dies und das.
A: ‚Das ist ja echt so krass. Ich hatte ja echt konstant das Gefühl, ich müsste kacken!‘
Ä: ‚Hmm.‘
A: ‚Hatte ich ja vorher schon gehört, dass es so ist. Aber dass es wirklich so ist…!‘
Ä: ‚Hmm‘

A: ‚Ich habe doch sicher Hämorriden, oder?!!‘

Ä: ‚Nein. Alles bestens.‘
A: ‚Sicher?! So wie sich das angefühlt hat war ich mir sicher, dass ich welche habe!‘.
Ä: ‚Bei den äußeren Teilen wirkt die Narkose leider nicht so gut.‘
A: ‚AUA!!‘
Ä: ‚Ja. Sie können ruhig mit mir schimpfen wenn Sie wollen…‘
A: ‚Grmpf…‘

Hach. Der Zauber der Geburt…

Und ja, ich kann hier wirklich, mit jeder Faser meines Körpers sagen, dass eine natürliche Geburt, ein so wunderschönes Erlebnis ist. Und ja, alles was man in den Stunden vorher gefühlt hat, ist in dem Moment wo das Baby da ist, weg!

Und ich kann sagen, dass ich so unendlich dankbar und glücklich über den Verlauf beider Geburten bin. Dass unsere Kinder gesund sind. Und ich auch.

Jeder werdenden Mama möchte ich sagen:

Habe keine Angst!
Mache Dir vorher in Ruhe Gedanken, was Dir bei der Geburt Deines Babies wichtig ist!
Rede darüber mit Deinem Partner!
Schreibe alle Wünsche auf und bespreche sie mit dem Kranken/Geburtshaus oder der Beleghebamme.

Am End ist es aber vollkommen egal

ob Du Dein Baby im liegen, stehen, im Wasser oder per Kaiserschnitt zur Welt bringst!

Dein Körper hat einen neuen Körper geschaffen! Mit Armen, Beinen, Knochen, einem Gehirn und kleinen Lungen. Du hast um die 9 Monate lang auf Dich und Dein Baby acht gegeben. Hast auf einiges verzichtet und anderes dafür bekommen.

In meinem Fall ein paar Kilos, Schwangerschaftsstreifen am Bauch und eine ganz neue Form des Selbstvertrauens!

Du wirst für Dein Kind die bestes Mama und die schönste Frau der Welt sein. Und für deinen Partner dieser unglaubliche Mensch, der seinem Kind das Leben geschenkt hat.

Du bist eine gottverdammte Heldin!

Und auch wenn bei einer Geburt nicht immer die schönsten Worte fallen, und unvorhergesehenes geschehen wird. Du wirst es schaffen! Und es wird, mehr oder weniger, magisch sein. So haben auch die Worte, welche eine Freundin bei der Geburt ihres Sohnes rief als er kam, eine Art Magie:

„Er kommt mir aus dem Arsch!“

In diesem Sinne: Rockt On!

 


Möchtest Du mir von Deiner Geburt erzählen?

Es wird bald eine weitere Serie bei mir geben, mit dem Titel: ‚Jede Geburt ist anders…‘. Dort möchte ich über die unsagbare Vielfalt und Einzigartigkeit, von Geburten erzählen.

Schreib mir! Und alles weitere, besprechen wir dann.

Published inAb jetzt zu viertAnnas WeltJede Geburt ist anders...

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