Ach! Ich kann ja!
Heute ist der erste Tag seit Jahren an dem ich hier schreibe. Einfach mal machen.
Schreiben und lesen tue ich, seitdem ich es Ende der 1980iger mal gelernt habe, sehr gerne. Beides ist in der vergangenen zwölf Jahren phasenweise in den Hintergrund gerückt. Normal, weil das Leben mit einem Energiehaushalt einher geht, der mal mehr mal weniger gefüllt ist.
Bei vielen Frauen passiert, wenn ein Baby kommt, häufig eine Sache ganz automatisch: sie stellen sich und ihre Bedürfnisse an letzter Stelle. Klingt dramatisch ist aber eine logische Konsequenz aus einer monatelangen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Alles rüttelt sich zurecht, sie macht alles zum ersten Mal und wenn das Baby schreit kann das Mutter-Hirn eh nichts anderes machen, als sich um es zu kümmern. Ein Modus den wir aus der Steinzeit mitgenommen haben – wenn Baby schreit muss es als erstes umsorgt werden, sonst weckt es schlafende Säbelzahntiger.
Aber irgendwann kommt der Punkt an dem Frau sich bewusst zurück holen muss
Die Jahre fliegen dahin. Klingt wie ein Klischee ist aber genauso. Je älter ich werde desto kürzer werden die Jahren. ‚Was? Schon wieder Juni?! War doch gerade erst Ostern?!‘ So in der Art beginnen viele meiner Gespräche mit anderen Leuten ‚in meinem Alter‘. Und weil die Zeit so schnell verfliegt und die Tage ähnlich ablaufen merkt man nicht, dass die Kids easy Spülmaschinen ein- und ausräumen, den Hund füttern oder Wäsche auf- und abhängen können.
Die gesamte Familie muss immer mal wieder einen kleinen CheckUp machen. Was können die Kids alleine? Was wollen sie auch alleine machen? In das Zimmer meiner Tochter (12) darf ich beispielsweise nicht mehr rein, ergo muss sie es selbst aufräumen, saugen etc. Und auch wenn es Phasenweise mal aussieht wie nach einer schlimmen Explosion, hat sie ihr kleines Reich gut im Griff. Sie will sich in ihrem Zimmer ja auch wohl fühlen.
Mein Mann sagt mir seit Jahren: ‚Anna! Mach einfach! Wir kriegen das schon hin.‘ Da sein Job ein Alltagsleben aber schwer planbar macht und auch die Wochenenden bestimmt, war das vor drei Jahren noch mit weitaus größerem Aufwand verbunden und eben nicht ‚mach einfach‘. Zumindest nicht ohne Babysitter den man finden und bezahlen musste.
Die Realität vieler Mütter.
Und dann muss man auch die Energie haben um etwas zu tun. Täglich trifft man durchschnittlich 20.000 Entscheidungen und als Mutter (und sorry to say, es sind weiterhin meistens die Mütter) dann noch weitere 500 Gedanken rundum Schule, Essen, Haushalt, Einkaufen und ‚wir müssen noch ein Geschenk für den Geburtstag am Samstag besorgen‘.
Dieser Mental Load erhält immer mal gesellschaftliches Verständnis, wird dann aber im nächsten Atemzug von Merz Aussagen á la: ‚LIFESTYLE-TEILZEIT!!‘ im Keim erstickt wird. Es ist einfach fucking anstrengend und was Alleinerziehende täglich stemmen müssen, davon fange ich heute gar nicht erst an!
In den vergangenen 12 Monaten habe ich vieles erlebt und ausprobiert
Zum einen ist mein Mann hartnäckig geblieben wenn es darum geht, dass ich einfach mal machen soll, die Kids sind selbstständiger und gerne auch mal ein paar Stunden alleine zu Hause. Und ich nehme mir Dinge jetzt einfach raus, weil: Why shouldn’t I?!
Regelmäßige Abende mit guten Drinks und Gesprächen bei meinen geliebten Nachbars-Ladies haben seit unsere Umzug in den Norden Tradition und sind so wunderbar und, praktisch! Sind wir ja nur ein paar Häuserwände von den Kids entfernt, falls sie alleine zuhause sind und ihnen vor lauter Chips essen und Film schauen doch die geliebte Mutter fehlen sollte….
Zu meinen regelmäßigen Ladies-Nights kamen jetzt ein paar Specials dazu, wie meine selbst hergestellten Ohrringe aus dem Schmuck-Workshop, ein fünf-tägiger Burnout-Präventionsseminar, ein Jahr bei der OMR an der Bar arbeiten, im nächsten als Gast mit einer geschenkt bekommenen Besucherkarte hingen, Moritz Neumeiers Show besuchen und zuletzt einen Stand-Up-Comedy-Workshop absolvieren. Warum? Weil ich es kann! Und weil meine Familie mir den Rücken frei hält.
Denn die ganze Familie ist gefragt wenn es um Mamas Bedürfnisse geht!
Sie wird sich immer an die letze Stelle setzen. Für ihre Bedürfnisse einzustehen hat sie vielleicht ver,- oder nie gelernt. Und wenn das der Fall ist muss sich ein Mensch neben sie stellen und aktiv sagen: ‚Mach einfach! The Kids will be allright!‘
In diesem Sinne: Support your local Mum!