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Wunschgeburt nach Kaiserschnitt

Wunschgeburt bei Baby Nummer zwei

Die Eule kam per Kaiserschnitt zur Welt. Ungeplant und aus dem außergewöhnliche Grund, dass sie ihre Hand schon aus dem Muttermund hinaus streckte und meiner Hebamme reichte, bevor ich überhaupt Wehen hatte… und mein Muttermund war da außerdem schon 3 Zentimeter auf… detailliert in meinem allerersten Beitrag Sanfte Geburt nach zu lesen.

Mein großer Wunsch war schon bei ihr eine spontane Geburt und dieser Wunsch ist jetzt bei Baby Nummer zwei, fast noch größer.

Aber, ist das Wort keine Ironie in sich? Wunschgeburt?

Wenn mir mit der Eule eines klar geworden ist, dann dass Du auf deinen Schwangerschaftsverlauf, die Geburt und alle Phasen die dein Kind so durchleben wird, wenig bis keinen Einfluss hast. Klar, wenn man während der Schwangerschaft exzessiv kokst, Kette raucht oder jeden morgen mit einem eisgekühlten Gin Tonic beginnt (Mmmmh, Gin Tonic!), dann ist die Chance ein nicht ganz kerngesundes Kind zur Welt zu bringen, oder dass vorher schon die Schwangerschaft nicht den gewünschten Verlauf nimmt, sicherlich etwas erhöht…

Was ich mir aber bei der Eule und auch jetzt beim kleinen Bruder wünsche, ist eine Geburt, die so natürlich wie möglich abläuft. Soll heißen: Keine Einleitung der Geburt, kein geplanter Kaiserschnitt.

Am besten die Geburt beginnt NICHT mit einem Blasensprung.

Und dabei meine ich keinen frühzeitigen oder vorzeitigen (was genau was ist weiß ich bis heute nicht) Blasensprung, also in einer Woche in welcher das Baby noch nicht mit dem Kopf nach unten und schon relativ fest im Becken liegt, oder Baby mit den Füßen nach unten oder oder oder… was auch nicht gut wäre aber… Ich spreche hier von einem Blasensprung ab der 38. Woche mit einem Baby in ‚idealer‘ Poleposition.

Denn ich wusste, dass die Ärzte 12- 18 Stunden nach Blasensprung, ohne darauf folgende Wehen, die Geburt einleiten werden… und eingeleitete Wehen sind zum einen von der Intensität her heftiger, da nicht vom Körper selbst in Gang gesetzt und, viele eingeleitete Geburten enden im Kaiserschnitt. Die Aussicht in einem Zimmer mit 1-2 frischgebackenen Mamas und ihren weinenden Babies zu verbringen, bis unsere eigene Geburt los geht, fand ich ebenfalls wenig reizvoll.

Angst vor einer Infektion, denn dies wird ebenfalls als Argument genommen um bei Blasensprung gleich ins Krankenhaus zu fahren, hatte ich nicht, da mir meine Hebamme sagte: ‚Eine Infektion holst Du Dir wenn, dann im Krankenhaus. Gegen die Keime bei euch zu Hause, bist Du schon resistent.‘

Nunja, die Eule kündigte sich mit einem Blasensprung an.

Klar. Und ich blieb ruhig. Hatte noch eine Freundin da. Aß ein paar Käsebrote und duschte. Legte mich dann ins Bett und hatte ca. 2 Stunden später, alle 5 Minuten so etwas wie stärkere Menstruationsschmerzen. Aber nichts, was ich für Wehen hielt. Dachte eher dass sich die Eule auf den Weg macht und ich das, irgendwie klar, auch spüre.

Als die Hebamme eintraf, streckte die Eule ihre kleine, linke Hand bereits aus dem Muttermund hinaus. So wie Superwomen – wie sie dann auch im Krankenhaus genannt wurde. Dachte sich anscheinend: ‚Also, wenn die Mudder hier keine Anstalten macht bald mal los zu fahren, dann muss ich das ganze eben selbst etwas beschleunigen…‘

Wie bereitet man sich auf diesen unwahrscheinlichen Fall vor?

Gar nicht.
Weil es nicht geht! Meine Hebamme sagte mir später, dass habe sie so noch nie erlebt. Und sie hat schon einige Jahre Erfahrung plus zwei eigene, erwachsene Kinder hinter sich. Wäre dies vor 200 Jahren passiert, wären wahrscheinlich weder die Eule noch ich heute am Leben. So verdanken die Eule und ich unserem (von mir nicht wirklich lieb gehabten) Kaiserschnitt, unsere Leben.

Und ich bin ihm, nach einem langen Prozess, dankbar!

Denn lange Zeit gab ich mir die Schuld. Sah ihn nicht auf Grund ihrer Lage als notwendig, sondern weil ich etwas falsch gemacht hatte.
‚Wäre ich früher ins Krankenhaus gefahren!‘
‚Hätte ich anders auf dem Sofa gesessen!‘
‚Wäre ich nicht zum telefonieren aufgestanden, dann wäre die Blase vielleicht gar nicht gesprungen!‘ …

Alles Blödsinn.
Es gibt Dinge, auf die haben wir keinen Einfluss.

Aber das zu akzeptieren, fällt mir und meiner Generation schwer.

Wir sind es gewohnt, Einfluss auf Dinge zu haben. Das es nichts gibt, was nicht geht.
‚Du kannst alles werden was Du willst!‘, ‚Wenn Du es nur stark genug willst, dann geht das auch!‘, ‚Jeder hat ein Recht auf…‘

Aber, wenn es dann um schwanger werden, bleiben, Geburt und Erziehung geht, da kommt so viel unvorhersehbares… da können wir noch so viel wollen und Vorstellungen davon haben. Das Leben kommt auch einfach mal, wie es kommt.

Also, wie bereite ich mich jetzt auf die zweite Geburt vor?

Indem ich meine erste Geburt akzeptiere.
Akzeptiere, dass die Eule per Kaiserschnitt geholt werden musste. Das es in diesem Moment keine andere Optionen gab. Und auch WENN es welche gegeben hätte, dies nun in der Vergangenheit liegt und nicht veränderbar ist. Eine Geburt ist kein Ikea-Sofa, dass man jederzeit umtauschen oder abändern kann, wenn einem etwas nicht passt.

Es gibt Erlebnisse und Geschehnisse, die können wir nicht verändern. Punkt.

Habe das Buch ‚Meine Wunschgeburt nach Kaiserschnitt‘ von Dr. Ute Taschner gelesen, welche selbst vier Kinder zur Welt gebracht hat. Das erste und zweite per Kaiserschnitt. Das dritte und vierte spontan. Und das hat mir schon sehr geholfen. Einfach um einen Überblick über die, immer so sehr betonten, Risiken zu bekommen. Den Grund zu erkennen, warum in den vergangenen Jahrzehnten die Kaiserschnittrate so extrem angestiegen ist. Diese Kurve aber nicht parallel zu der ‚Sicherheit‘ der heutigen Geburten verläuft.

Eine Freundin von mir, die selbst ihre ersten beiden Kinder per (ungeplanten) Kaiserschnitt und das dritte spontan bekam, las es damals zur ‚Vorbereitung‘. Auch ihr half es die Risiken abzuwägen und anhand dessen die endgültige Entscheidung zu treffen: ‚Ja, ich will es auf jeden Fall bei meinem 3. Kind auf natürliche Weise probieren!‘. Und es hat auch geklappt!

Sie fand ein erfahrenes Krankenhaus und eine Ärztin, die sie bei jedem Schritt unterstützte. In dieser Klinik werden regelmäßig Steißgeburten spontan geholt sowie Zwillinge, auch wenn die Mutter keine 2 Jahre zuvor das erste Kind per Kaiserschnitt entbunden hat.

Diese Klinik drückt Müttern keinen ‚Kaiserschnitt-Stempel‘ auf die Stirn.

Es ist eine von, gefühlt, noch zu wenigen Kliniken in Deutschland, die jeder Frau eine Chance auf eine selbstbestimmte Geburt geben. So lange Mutter und Kind wohl auf sind, gibt es keinen Grund einen Kaiserschnitt durchzuführen. Einer großen Bauch-OP zu unterziehen, welche die Mutter körperlich über Wochen und Monate extrem einschränkt und auch dem Baby den ersten aktiven Akt seines Lebens nimmt.

Nein, ich verteufele den Kaiserschnitt nicht. Natürlich wurde und wird vielen Frauen und Kindern mit einem Kaiserschnitt das Leben gerettet. Aber in unglaublich vielen Fällen werden Babys per KS geholt, weil die Geburt nicht schnell genug geht. Was so absurd ist, weil jede Frau, jeder Körper und jedes Baby anders ist. Oder es wird ein KS eingeleitet, weil das Kind, angeblich, zu groß ist. Und auch da gibt es viele Fälle, in denen der Mutter danach ein 53 cm Baby mit 3.400 g überreicht wurde…

Ultrashall ist eben immer noch keine 100% Garantie für alles.

Am Ende des Tages zählt natürlich nur, unser Baby gesund im Arm zu halten.

Und keine andere Mutter auf dieser Welt, für die Art wie sie ihr Baby zur Welt bekommen hat zu verurteilen. Auch selbst nicht das Gefühl zu haben sich rechtfertigen zu müssen. Was ich lange Zeit, auch jetzt noch immer mal wieder wenn ich von der Geburt erzähle, hatte. Mit uns selbst im Reinen zu sein.

Bei einem der wohl wichtigsten Ereignisse im Leben einer Frau, der Geburt ihres Kindes, nicht selbst bestimmen zu dürfen und zum Teil zu Entscheidungen gedrängt zu werden, ohne darüber nachdenken zu können oder mit einscheiden zu dürfen, wie ihr Baby zur Welt kommen soll. Das ist verfickt hart!

Und in vielen Fällen wurde der Mutter diese Entscheidung abgenommen.

Dies war der Grund warum es mir so lange schwer fiel, den Kaiserschnitt zu akzeptieren.

Jetzt freue ich mich einfach auf die Geburt des kleinen Bruders. Freudig erregt und gespannt, was da alles kommen wird. Denn vorher bestimmen wie es laufen wird, kann ich eh nicht…
Es ist als ob ich, ohne vorher gelernt zu haben, eine Matheklausur schreiben werde, von der ich noch nicht mal weiß, wann sie genau statt findet.

In diesem Sinne: Rockt On!

Published inAnnas WeltJede Geburt ist anders...

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