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Co-Parenting. Co… Was?

Ein Kind, zusammen mit einem Freund.

Jennifer 36, Mathilda 1, Co-Papa 38

Auf EditonF las ich vor einiger Zeit über Jennifer und das Konzept des Co-Parenting. Erst war ich mir nicht sicher, wie ich dieses Modell finden soll. Ein Kind mit einem quasi fremden Menschen zu bekommen, weil beide sich unbedingt ein Kind wünschen, aber aktuell keinen Partner haben und, bevor die biologische Uhr endgültig abgelaufen ist, eines zusammen bekommen. In Dänemark gibt es aktuell einen regelrechten Boom an Frauen in ihren 30 bis Mitte 40igern, die keinen passenden Partner haben, sich aber trotzdem ihren Kinderwunsch erfüllen wollen, zur Samenbank gehen und bewusst allein erziehende Mutter werden. Die so called ‚Solomors‚, zu Deutsch: Solo-Mütter.

Ein Kind möchte man doch mit einem Menschen zusammen haben, den man liebt. Mit dem man sich ein ganzes Leben vorstellen kann. Mit dem man die großen und kleinen Freunden des Elterndaseins feiert, genauso wie seine Sorgen und Nöte teilt. Einfach ‚eines‘ haben wollen, egal mit wem, dass fand ich erstmal befremdlich.  Nachdem ich Jennifers gesamte Geschichte hörte und mir darüber Gedanken machte, wie es mir wohl gehen würde, wäre ich 35, hätte nicht den besten Freund von allen und meine zwei Kinder an meiner Seite…., vielleicht hätte ich mich auch für ihren Weg entschieden.

Ich finde es sehr mutig so offen darüber zu sprechen, weil es sicher einige Menschen gibt, die es merkwürdig finden. Und mutig, dass sie sich für diesen Weg entschieden hat. Denn es ist eine Einbahnstraße. Es im Nachhinein zu bereuen, geht nicht. Es stecken drei Menschen mit drin und es ist eine Lebens verändernde Entscheidung.

Jennifer schreibt auf ihrem Blog planningmathilda.com ganz offen und ehrlich über ihr Familienmodell. Falls ihr Neugierig geworden seid, schaut auf jeden Fall mal dort vorbei! Lest nun hier, wie es zu Jennifers Co-Parenting kam.

Tick Tack… 35 . Und was jetzt?

Alle um mich herum haben Kinder. Auch meine jüngeren (!) Geschwister, haben unserer Familie schon um einige Neffen und Nichten erweitert. Nur ich stand mal wieder ohne Mann da und hatte auch keinen potentiellen Kandidaten in Aussicht. Dabei gab und gibt es in meinem Leben eigentlich nur ein Ziel: ein Kind.

Was sollte ich machen? Schon wieder von vorne anfangen? Krampfhaft einen neuen Mann finden? Meine Talentfreiheit auf diesem Gebiet habe ich in den vergangenen 20 Jahren nun wirklich bewiesen… Trotz aller Versicherungen meiner Mutter: ‚Du bist doch irgendwie liebenswert‘ (nochmal herzlichen Dank dafür), scheinen nur bindungsunfähige oder vor Verantwortung zurückschreckende Männer ihre Meinung zu teilen. Und dass dann auch nur, für eine kurze Zeit.

So kam mir eines Tages die Erleuchtung.

Nein, nicht schwebend auf der Yogamatte, sondern tränenüberströmt in Embryonalstellung an einen Ben&Jerry’s Becher (Peanut Butter Cup hilft gegen jegliche Form der Traurigkeit!) geklammert: Ich bekomme jetzt auch ein Baby! Auf jeden Fall. Sofort. Und Unabhängig. Unabhängig von einer Beziehung und nicht erst mit 40.

Bin ich verzweifelt?: Ja!
Heißt es es gibt nur eine Weise sich meinem Ziel zu nähern?: Nein!
‚El Classico‘ hat nicht geklappt, also suche ich mir einen alternativen Weg.

Heute, ein Jahr später, sitze ich also hier und erzähle, während meine Tochter vor mir auf dem Boden sitzt und etwas vor sich hin brabbelt. Gleich kommt noch ihr Papa zum Playdate vorbei. Wie es in so kurzer Zeit dazu kam? Durch einen Zufall, ganz viel Glück und einen Kaiserschnitt.

Aber von vorne.

Nach dem Ende meiner letzten Beziehung, hatte ich einfach keine Lust mehr zu warten, bis sich alles irgendwie ergibt. Weiße Pferde mit Prinzen sind Mangelware, noch nicht einmal Richard Gere hat es in ‚Pretty Women‘ auf die Reihe bekommen (und das war ein Film verdammt nochmal!). Da wollte ich mein Schicksal doch lieber selbst in die Hand nehmen.

Zufällig kam ich mit einer Kollegin dazu ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie mit einem Freund zusammen, den gemeinsamen Sohn groß ziehen – als so-called ‚Co-Eltern‘. Mein ursprünglicher Gedanke, mir meinen Kinderwunsch mit Hilfe eines Samenspenders zu erfüllen, legte ich erstmal beiseite. War ich sowieso nicht vollends überzeugt, dass mich dies tatsächlich glücklich machen würde.

So lernte ich das Prinzip des Co-Parenting kennen:

Ein Kind bekommen zusammen mit einem Mann, aber nicht als Liebespaar sondern als Freunde. Jeder lebt in seiner eigenen Wohnung, hat sein eigenes Leben und das gemeinsame Kind lebt sowohl bei der Mutter, als auch beim Vater. Genau wie bei getrennten Eltern. Aber in einer Variante, in der keine emotionalen Verletzungen auf Grund einer Trennung vorliegen, und damit das Zusammenleben erschweren könnten.

So der Idealfall.

Das hörte sich für mich gut an! Zumal ich in meinem Beruf als Flugbegleiterin auch mal mehrere Tage am Stück unterwegs bin und mein Kind dann optimal versorgt wissen wollte. Meinen Eltern wollte ich das nicht zumuten, jedenfalls nicht ständig und eine Fremdbetreuung kam für mich nie in Frage. Mein Kind sollte immer bei einer Bezugsperson sein.

Mal abgesehen davon ist es wundervoll, einen Papa zu haben – und auch zu kennen! Meiner ist großartig und ich möchte ihn um nichts in der Welt missen. Die Vater-Rolle fiele bei einer anonymen Samenspende weg und ich würde meinem Kind eine wichtige Bezugsperson vorenthalten.

Besagte Kollegin lieferte mir also die Idee & den Co-Vater auch gleich mit!

Ein Freund von ihr, der auch unbedingt ein Kind haben wollte. Er stand mangels Gebärmutter, Eierstöcken und was man sonst so zum Baby machen braucht, vor einer noch größeren Hürde als ich. Kurz entschlossen trafen wir uns, mochten uns vom ersten Moment an und waren uns sofort sicher: Wir werden Co-Eltern! Danach lernten wir uns über einige Monate lang noch in Ruhe besser kennen.

Da er ja durch meine Kollegin quasi ‚voraus’gesucht war, fühlte ich mich sicher. Hätte ich ihn über eine der Co-Parenting-Internetseiten gefunden, hätte ich mir mit dem Kennenlernen mehr Zeit gelassen. Wir klärten unsere allgemeinen Vorstellungen ab und sprachen alle Eventualitäten sehr ausführlich durch, soweit das im Vorhinein möglich ist.

Unsere grundsätzlichen Werte

wollten wir vorher von einander kennen und haben alles sehr gut durchdacht. Nicht, dass man sich dann später beim Impfthema zerfleischt. Wobei ich Eltern kenne, die als Paar zusammen sind, und genau dies dann getan haben. Man weiß eben nie ganz sicher wie sich alles ändert, wenn ein Kind da ist.

Für mich war u.a. ein nicht verhandelbarer Punkt, dass unser Kind meinen Nachnamen trägt. Er war da weniger festgelegt und konnte dies ohne Probleme akzeptieren. Dann legten wir auch schon los!

Da es im Durchschnitt ungefähr ein Jahr dauert, bis man in meinem Alter schwanger wird, wollten wir frühzeitig beginnen. Dass es gleich beim ersten Versuch klappen würde, hätte keiner von uns beiden gedacht. Wir waren sehr überrascht, aber auch überglücklich!

Entstanden ist unser Kind durch die Bechermethode.

Wollten unsere junge Freundschaft nicht mit Sex überfrachten. Heißt zusammengefasst:

  1. Kenne deinen Zyklus! Das Zeitfenster in dem man schwanger werden kann, ist relativ klein.
  2. Sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Wir haben alle 5 fruchtbaren Tage genutzt.
  3. Kenne alle Tricks um deine Chancen schwanger zu werden zu erhöhen! Himbeerblättertee, spermienfreundliches Gleitgel, Menstruationstasse/oder Diaphragma mit Sperma füllen und so direkt vor den Muttermund bringen… da kann man ruhig kreativ werden!
  4. Und ganz konkret geht das Ganze dann so:
    1. Papa geht ins Bad und füllt einen Urinbecher mit den kostbaren Spermien.
    2. Deckel drauf damit sie nicht gleich dem bösen Sauerstoff zum Opfer fallen.
    3. 10 min warten, damit das Sperma flüssiger wird und einfacher zu handhaben ist. Tipp: den Becher solange unter der Decke zwischen die Oberschenkel klemmen. Wärme ist super für die Kleinen!
    4. Besagte Spermien möglichst schnell auf die Spritze ziehen. Ja, ohne eine lange Nadel natürlich…
    5. Popo hoch, Kissen drunter, Handtuch drüber (könnt euch ja denken warum)
    6. Die Spritze (immer noch ohne Nadel bitte) möglichst tief und ruckartig in der ‚Mama to be‘ ausleeren. Und 30 Minuten lang so liegen bleiben.

Fertig ist das Becher-Baby!

Die Schwangerschaft verlief problemlos.

Wir trafen uns in dieser Zeit regelmäßig und lernten uns immer besser kennen. Er war bei allen Arzt Terminen dabei, half mir bei verschiedenen Aktionen wie IKEA Einkauf etc. und war auch sonst immer für mich da. Wir haben ein geteiltes Sorgerecht und er hat schon vor der Geburt die Vaterschaft anerkannt. Da ein Kind natürlich nicht nur Liebe bekommt sondern auch hier und da etwas Geld kostet, zahlt er mir ganz normal Unterhalt.

Ob er bei der Geburt dabei war?

Werde ich immer wieder gefragt. Unsere Tochter musste per Kaiserschnitt geholt werden. Daher war er erst ab der zweiten Hälfte bei uns. Davor meine Mama, um mir die Angst zu nehmen. Wäre die Geburt natürlich gewesen, bat ich ihn es dann spontan entscheiden zu können. Ob er nun direkt mit in den Kreißsaal kann oder ob mich das stressen würde, konnte ich nicht vorher schon sagen.

Das war für ihn total ok.

Nun ist unsere Tochter schon 8 Monate alt.

Und es hat sich eine feste Routine eingespielt. Wir hatten vorher vereinbart, dass sie die Säuglingszeit ausschließlich bei mir wohnt und er, wenn möglich, täglich zu Besuch kommt. Wenn er da ist spielen sie zusammen, machen gemeinsam Mittagsschlaf und wenn sie etwas älter ist, wird sie dann auch langsam die ersten Nächte bei ihm verbringen.

Ich bleibe 1,5 Jahre zu Hause, um es ihr so einfach wie möglich zu machen. Wir haben immer gesagt, dass wir uns so weit wie möglich an den Wünschen des Kindes orientieren werden. Momentan hängt sie sehr an mir, aber auch das verändert sich Stück für Stück.

Ob das an der besonderen Situation liegt?

Ich denke nicht. Ich war als Kind auch so. Nur Mama durfte ran. Bei einer Freundin darf der Papa nur gucken und das Kind nicht mal auf den Arm nehmen. Es ist eher eine Charakterfrage. Bei anderen Co-Eltern wechseln sich die Parteien zum Teil sehr früh ab, das wollten wir nicht.

Sie liebt ihren Papa sehr und freut sich, wenn er uns besucht. Alles in allem läuft es bis jetzt sehr gut. Co-Papa ist meistens mittags da und so habe ich ein paar Stunden für mich. Also zum kochen und putzen und was eben sonst noch so anfällt. Dadurch habe ich es relativ ‚leicht‘ und auch wenn ich die Abende und Nächte mit dem Kind alleine bin, hatte ich bisher nie das Gefühl es sei zu anstrengend. Oder, dass ich einen Partner vermisse, der mir etwas abnimmt.

Nachts hilft sowieso nur stillen und ich kenne die ganze Situation ja auch nicht anders. Zusätzlich fallen für mich alle anderen Rollen weg, die man dann sonst so einnimmt. Ich bin ’nur‘ Mutter. Wenn ich müde bin, gehe ich um 18:30 Uhr ins Bett und niemand ist beleidigt, dass kein Platz für Paar-Zeit ist. Ich kann mich voll und ganz nach dem Kind richten und muss auf niemanden Rücksicht nehmen.

Da fällt auch viel Konfliktpotential weg.

Mein Umfeld hat auf die Idee des Co-Parentings

und die Schwangerschaft eigentlich durchweg positiv reagiert. Wahrscheinlich, weil es einfach zu mir passt. Ich bin schon immer andere Wege gegangen. Meine Eltern waren nach kurzem Zögern begeistert und als ich dann schwanger war, außer sich vor Freude. Sie lieben die Kleine abgöttisch und mit dem Co-Papa verstehen sie sich gut.

Ich sehe es nicht als scheitern an, dass es mit dem Ehemann, Haus und den 1,4 Kindern nicht geklappt hat. Nicht mehr. Als ich 30 wurde und nichts vom eben erwähnten vorweisen konnte, war ich ziemlich fertig. Da begann ich schon mich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass es auch einen alternativen Weg zum Kind für mich geben muss.

Es war keine spontane Entscheidung, sondern das jahrelange Reifen einer Idee. Man sollte sich vorher genau damit auseinandergesetzt haben, was man wirklich will und warum! Will ich nur nicht alleine sein? Ist mein Baby ein potenzieller Partnerersatz? Brauche ich einfach nur diese bedingungslose Liebe?

Dann wäre ein Hund die bessere Wahl.

Für mich kann ich sagen, ich war bereit für das Abenteuer, ein Kind durch die ersten Jahre seines Lebens zu begleiten.

Ich habe zwei kritische E-Mails bekommen in denen beide Male der Vorwurf kam, ich hätte egoistisch gehandelt. Den finde ich nicht zutreffend. Denn ehrlich gesagt, ist es immer egoistisch ein Kind zu bekommen. Kein Baby wird vorher gefragt, ob es in diese Familie hinein geboren werden möchte. Unsere bewusste Entscheidung für ein Kind und die Intention, diesem das uns bestmögliche Lebensmodell zu gewährleisten, halte ich nicht für egoistisch.

Das darf natürlich jeder gerne anders sehen.

Vielleicht ist es einfach an der Zeit für neue Familienmodelle.

Habe auch schon einige E-Mails von Frauen bekommen, die mich dazu um Rat fragen und finde diesen Austausch toll! Denn sicher ist, unser gewähltes Modell ist sehr modern. Mutter-Vater-Kind ist ein ‚Konzept‘, dass in immer mehr Familien gar nicht mehr vorherrscht. Jede zweite Ehe wird geschieden, in Berlin lebt jedes dritte Kind bei getrennten Eltern.

Unsere Tochter ist ein absolutes Wunschkind und wird von beiden Elternteilen wahnsinnig geliebt. Egal ob diese einmal ein Paar waren, oder eben nicht. Ich stehe voll hinter dem Konzept. Denn zu uns passt es und funktioniert großartig!

Einen Partner hätte ich schon gerne wieder.

Natürlich muss es jemand sein, der die Situation entspannt hinnimmt, sonst geht das nicht. Die Kleine hat einen aktiven Vater, der sehr präsent ist. Das muss ein neuer Mann an meiner Seite akzeptieren. Vermisst habe ich einen festen Partner bis jetzt noch nicht. Ich fühle mich auch nicht allein erziehend, denn ich kann ihn ja jederzeit anrufen und er würde vorbeikommen. Mir die Kleine abnehmen, wenn die Zähne sie quälen oder sonst etwas im Argen liegt. Alle großen Entscheidungen fällen wir gemeinsam. Auch das gibt Halt.

Mein Fazit zu unserem Familienmodell bis jetzt:

es läuft gut. Besser sogar als ich gedacht hätte. Und im Laufe der Zeit haben sich sogar Vorteile herauskristallisiert, die ich vorher gar nicht bedacht habe.

Zum Beispiel wird sie ja, wenn sie älter ist, 2-3 Tage die Woche bei ihm wohnen und ich kann dann wirkliche, echte, pure Freizeit genießen. Ein wertvolles Gut als Mama! Spannend wird es nochmal dann, wenn ich wieder arbeiten gehe und sie mehrere Tage bei ihrem Papa bleibt. Aber auch das, werden wir sicher gut meistern.

Auch wenn ich, so wie die meisten, gerne den klassischen Weg beschritten hätte… es hat sich halt einfach nicht ergeben. Und heute bin ich unendlich froh über meinen Mut, einen alternative Variante gewählt zu haben. Und wurde mit meiner wunderbaren Tochter belohnt!

Hoffentlich macht unsere Geschichte anderen Frauen und Männern Mut,

ihren Kinderwunsch auch auf eine andere Weise zu verwirklichen.


Willst Du Deine/eure Geschichte auch mit uns teilen?

Schreibe mir! Und wir können einfach mal in Ruhe ein paar Zeilen austauschen… Freue mich auf Dich!
Rock On!

Published inAnnas WeltJede Familie ist anders

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